Übergewicht- Eine negative Rückkopplung
sozialer Umstände

Eine der größten Hürden bei der Heilung von Krankheitsbildern ist es, die allgemeinen Erkenntnisse der Medizin auf den Einzelnen, auf die individuelle Identität zu übertragen. Für die Medizin ist die Krankheit daher immer eher eine körperliche Funktionsstörung und damit eine biochemische Disposition, die mit Medikamenten (= mit dem Verstand heilen) bekämpft werden muss. Es ist also eher ein Kampf, weniger eine echte Lösung.

So gibt es auch zum Thema Übergewicht medizinische Lösungen bis hin zur Magenverkleinerung, um dem „Leid“ endlich Herr zu werden. Und es gibt auch viele symbolische Interpretationen zu diesem Thema: Körperfülle über die Norm hinaus sei ein Schutzpanzer. So der Rat das Leben endlich bewusst zu erleben und zu fühlen, dann wird schon alles werden. Wir alle wissen, was es bringt...

Aus meiner sozialsystemischen Sicht ist es eine negative Rückkopplung von sozialer Interaktion in unserem Körper.

Alles was wir geistig tun, seelisch fühlen und in sozialen Beziehungen – also im Umgang im Miteinander – gestalten, findet einen Niederschlag auch immer in unseren (körperlichen) Strukturen. Unser Körper führt also keineswegs ein auf sich gestelltes, egozentrisches Eigenleben, sondern bildet immer mit seiner sozialen Umgebung eine „Einheit des Lebens“. Über-Gewicht ist also ein Ausdruck des Über-Lebens in den gegenwärtigen Beziehungen.

Dieser Zusammenhang hat eine hohe gesundheitliche Gestaltungskraft. Übergewicht und auch die damit verbundenen möglichen peripheren Herz- und Kreislauferkrankungen lassen sich durch eine systemische Sichtung des lebensgeschichtlichen Hintergrundes aufarbeiten und oftmals dauerhaft bessern. Zu wissen, was man selbst tun kann, um wieder sein Idealgewicht zu haben und gesund zu werden, ist die Grundlage für den „Heilerfolg“. Dazu gehören neben den umweltbedingten und ernährungsbedingten Faktoren, auch die sozialen Umfeldbedingungen.

Dann gewinnen wir Gewicht in unserem Leben. Und nicht mehr „nur“ im Körper!